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letzte Aktualisierung
19.01.2009 |
Unser Chronist ist nicht mehrObwohl ich seit einigen Wochen von der angeschlagenen Gesundheit von Kuno Moser wusste, hat mich die Nachricht seines Todes tief getroffen. Der alte Mann, der er schon war, als ich ihn zum ersten Mal traf, mit seinem weissen Bart, dem kargen Haarwuchs und der Wollmütze, ist nicht mehr... Ich habe ihn erst im Jahre 1984 kennen gelernt, als für die Überbauung „Zum goldenen Winkel“ das alte „Chefi“ abgebrochen und die Baugrube ausgehoben wurde. Die Stadtmauer war dort längst verschwunden, beim Aushub kamen jedoch die Mauerfundamente zum Vorschein. Besorgt um die Chronik der Stadt Bülach, bemühte er sich um einen Baustopp - nicht zum Vergnügen aller Beteiligten - und liess erst locker, als die Fundamentreste sauber vermessen, kartiert und fotografiert waren. Hartnäckig wie er war stöberte er in den Archiven nach Akten und befragte Historiker, Archivare und Denkmalschützer, um die Lücken in der Geschichtsschreibung unserer Region zu stopfen. Er verfasste wertvolle Beiträge für die Neujahrsblätter der Lesegesellschaft Bülach und schrieb ungezählte Abhandlungen zu lokalhistorischen Themen. So auch zur 150-Jahr-Feier der Trennung von Bachenbülach - seinem Wohnort - von Bülach, dem Zentrum seiner Tätigkeit. Seine Texte waren nie nur trockene Geschichte. Mit dem ihm eigenen Schalk stellte er vieles in Frage und malte sich aus, wie es sich seiner Vorstellung nach hätte zugetragen haben können. Er leistete so als Nichtstudierter einen wertvollen Gesamtbeitrag zur Darstellung unserer lokalen Geschichte. Seine Arbeit hat Qualität; sie wird bestehen bleiben. Seiner Frau und seiner Familie entbiete ich mein tiefstes Beileid und trauere mit ihnen um einen liebenswerten Menschen. Ich werde ihn in guter Erinnerung behalten. Beat Kocher, Stadtpräsident * * * Ein bewegtes Leben hat seinen Frieden gefundenKuno Moser wurde 1926 in Büren an der Aare geboren und ist dort auch aufgewachsen. Die Mutter war Rotkreuzschwester, der Vater Lehrer und nebenbei engagiert in Naturschutz, Geschichte und im Vereinsleben. Eine enge Bindung bestand auch zum Grossvater väterlicherseits in Diessbach bei Büren; er war Grundbuchgeometer, Posthalter, Archäologe und Bauer. Und daneben ein eifriger Sammler... Offensichtlich blieb davon auch viel an Kuno Moser hängen. Seit Eröffnung des Ortsmuseums Brunngasshuus Bülach im Jahre 1984 - noch in den alten Räumlichkeiten - betreute Kuno Moser als Kustos die Sammlung. In der Werkstatt erarbeite er jeweils die nötige Infrastruktur und restaurierte in vielen Arbeitsstunden lädierte Ausstellungsgegenstände. Als Kustos und Mitglied der Ortsmuseumskommission war er immer aktiv - mit Kopf, Hand und Herz - dabei, neue Ausstellungskonzepte zu erstellen. Sein immer wiederkehrender Ausspruch „mer müend dä Finger usenää“ wird uns allen in Erinnerung bleiben. Auch im Vorstand der Lesegesellschaft arbeitete er immer aktiv mit. Wir verweisen diesbezüglich auf das im Jahr 1999 erschienene Neujahrsblatt „Geschichten zur Geschichte aus dem Zürcher Unterland“. Für die Kommissionsmitglieder war er wie ein Vater - wenn manchmal auch sehr patriarchalisch - mit einem grossen Wissen um die historischen Zusammenhänge. Wir alle werden ihn sehr vermissen. Lesegesellschaft und Ortsmuseumskommission * * * Wie er die alten Sachen hegte und pflegte...Kuno Moser war für Bülach ein unermüdlicher Schaffer im Zusammenhang mit der Erforschung unserer Geschichte und der Vergangenheit. Angefangen haben seine Tätigkeiten mit den Ausgrabungen bei Abbruch und Neubauten in unserer Altstadt. Vor allem erinnere ich mich, als ich Stadtpräsident wurde; da empfing er mich in etwa mit den Worten - ich werde auch nur zerstören und nicht erhalten. So lernte ich Kuno in all den Jahren als grossen, uneigennützigen Schaffer, der beharrlich seine Ziele verfolgte und sich vor allem als Archäologe einen Namen machte, kennen. Nichts war ihm zu viel, in seiner Freizeit beschäftigte er sich in jeder Baugrube mit Ausgrabungen. Vor allem im Stadtgrabenbereich des alten Gefängnisses machte er wertvolle Funde aus dem Leben unserer Vorfahren. Als Kenner unserer Geschichte um und in Bülach, vor allem auch der Kirchengeschichte, war er ein kompetenter Experte, von dem ich viel lernen konnte. Bei der 600-Jahrfeier war sein grosses Wissen sehr gefragt, und er trug wesentlich zum guten Gelingen der Feierlichkeiten bei. Nicht umsonst erhielt er auch den begehrten Kulturpreis für sein Wirken in unserer Stadt. So, wie er all die alten Sachen hegte und pflegte, war er nicht einfach im Umgang mit anderen Menschen, aber gerade das prägte seine Persönlichkeit und forderte alle heraus. Mit welcher Hingabe er sich dem neu geschaffenen Ortsmuseum annahm, können nur die beurteilen, die mit ihm zusammen arbeiteten. Sein Ideenreichtum übertraf vielfach das Machbare. Wer kennt nicht die „Zehntenbachete“, die vielen Ausstellungen, die er mitgestaltete und vor allem erarbeitete. Bis vor kurzem war er mit einer neuen Ausstellung beschäftigt. Leider war es ihm nicht mehr vergönnt, diese zu Ende zu führen. Aber der Lehmboden im Tenn des Ortsmuseums wird uns weiterhin an sein vielseitiges Schaffen und Wirken erinnern. Wir verlieren mit Kuno Moser einen grossen Förderer unserer Stadt, der - als Berner in Bachenbülach wohnend - eine grosse Lücke hinterlässt. Jakob Menzi, Alt Stadtpräsident |
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